Darum

Januar 28, 2008

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  Die kleine Gudrun war sicher, dieser frühe Sonnenschein über Saarbrücken stand für einen großartigen Geburtstag. Mutter hatte ihr soeben einen ganz wunderbaren Kuss auf die Stirn gedrückt. »Die Sonne scheint, Liebes,« hatte sie gesagt, »ein klasse Geburtstagswetter für mein kleines Mädchen.« Gudrun liebte ihre Mutter über alles. Das Leben war ein Kinderspiel. Sie stand auf, ging ins Bad und legte den Schlafanzug ab. Sechs Jahre war sie nun alt. Es war an der Zeit, wie die Erwachsenen die Türe zum Badezimmer hinter sich zu versperren, fand sie. So oft schon hatte sie mit dem Schlüssel gespielt, heute aber machte sie Ernst; ganz vorsichtig und leise.

  »Putzt du dir auch die Zähne?« rief die Mutter, da hatte Gudrun schon die Bürste im Mund, kam prima voran. Sie streckte sich über das Waschbecken, auf nackten Zehenspitzen, ihren Becher mit Wasser zu füllen. Dann spülte sie den Mund und spuckte aus. Mit nassen Händen fuhr sie sich durch ihre kurzen blonden Haare. An den Spiegel kam sie noch nicht heran. So, Unterhosen hoch, das rote Kleidchen über alles, dann schloss sie die Badtüre wieder auf. Gudrun lief zum Frühstück in die Küche. Die winzige Kamera, die unter dem Becken angebracht war, bemerkte sie nicht; ihr riesengroßer Bruder hatte vorsichtig genug kalkuliert. In letzter Zeit waren seine Bilder richtiges Geld wert, hatten ihm sogar den neuen Wagen finanziert. Mit neunzehn hat man schließlich auch noch Wünsche.

  Dass Nachbar Hannes ihn seit Tagen ziemlich merkwürdig aushorchte, wenn sie auf dem Parkplatz über Frauen und Autos redeten, hatte der eifrige Bruder in den Aufregungen gar nicht bemerkt. Und Nachbar Hannes war es, der sich die kleine Gudrun heute holen würde; nach ihrem Geburtstag, spät nachts.


Zur Stunde

Januar 26, 2008

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  Ich stehe heute Abend, und daran bin ich selber schuld, hier im Dunkeln auf dem Domplatz, splitternackt und friere. Die Füße habe ich zusammengestellt; um mich herum eilen Menschen. Bauch rein, Brust raus, Kopf in den Nacken; der Dom ist beleuchtet: Zur Stunde


Impressionen

Januar 18, 2008

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  An der Haltestelle: Dein Stolz ist Deine Fahrkarte durchs Leben, sagst Du und siehst mir dabei nicht in die Augen. Es gäbe gewisse Grenzen, sagst Du und scharrst mit der Stiefelspitze umher. Niemand könne von Dir verlangen, das noch länger mitzumachen, wisperst Du:

 Impressionen