Katastrophenalarm

Februar 15, 2008

  Ginas blasses Gesicht wäre wohl unwiderstehlich hübsch gewesen, wenn nur etwas fleischiger und ohne den verbitterten Ausdruck um jene Unmutsfalten, die ihre Mundwinkel herunterzogen. Sie stand bei der Küchenwand und drückte mit dem Daumen jene Ameisen platt, die unterwegs zur Mülltüte waren, mit kalten, gnadenlosen Augen.
  Als Lorenz eintrat, hob sie für keinen Moment den Blick; wie eine, die bis zu den Knien in Tränen stand und darüber staunte:

Katastrophenalarm


Märchen

Februar 11, 2008

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  Es war einmal ein kleiner Bauernhof: Märchen


Urlaub mal ganz anders

Februar 5, 2008

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  Meine Frau und ich sind dank disziplinierter Vorsorge in der Lage, sehr regelmäßige Urlaube zu unternehmen. Wir bereisten schon die exotischsten Länder, und diesmal geht es nach Polen.
  Meine Frau wollte erst nicht. Ich auch nicht. Nur um ihre Macht zu zeigen, entschied sie sich dann andersherum, und jetzt fahren wir da hin. »Nach Polen!« Schluss.
  Das Gepäck ist verstaut und meine Gemahlin auch. Ich drehe den Zündschlüssel rum, und die alte Karre springt nicht an. Manchmal fahren wir halt doch nicht so regelmäßig in den Urlaub.
  Frau sagt: »Da brauchen wir wenigstens nicht zurückzufahren, bei den Straßen dort.« Sie geht ins Haus, und ich richte die Zündkerze wieder ein. Hauptsache meine Frau ist zufrieden. Und ich auch.


Nachts etwas zu weit um die Häuser gelaufen

Februar 4, 2008

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ish1.jpg  Der Regen kam mit Nachteinbruch in die Stadt, ohne zu überdauern. Nun laufe ich auf seinen schauerlichen Resten rum und genieße die Stille und den Duft.
  Das ist mal besser als Daheimsein, hier störe ich auch nicht.
  Meine Frau wird erst viel später am feuchten Mantel merken, dass ich noch fort war. Nachdem die Wohnungsdecke für trocken befunden ist.
  »Du warst noch draußen«, wird sie mich nicht enttäuschen, und ich werde mein »Hm« sagen. Wir sind Mann und Frau und verheiratet. Ich liebe meine Frau.
  Durch die halbe Stadt gelaufen komme ich fröstelnd am Bahnhof an; einen so großen haben wir ja nicht. Dennoch steht ein Nachtzug zur Abfahrt.
  Ich gehe hin und steige ein. Wohlig warm ist es hierinnen, als hätte man mich erwartet. Ich lasse mich auf der freien Bank nieder und strenge die Beine hoch. Dann schlafe ich ein. Sonntags fährt der Nachtzug sehr weit durch, bis nach Berlin. Und ich wohl auch.


Zur Stunde

Januar 26, 2008

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  Ich stehe heute Abend, und daran bin ich selber schuld, hier im Dunkeln auf dem Domplatz, splitternackt und friere. Die Füße habe ich zusammengestellt; um mich herum eilen Menschen. Bauch rein, Brust raus, Kopf in den Nacken; der Dom ist beleuchtet: Zur Stunde


Impressionen

Januar 18, 2008

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  An der Haltestelle: Dein Stolz ist Deine Fahrkarte durchs Leben, sagst Du und siehst mir dabei nicht in die Augen. Es gäbe gewisse Grenzen, sagst Du und scharrst mit der Stiefelspitze umher. Niemand könne von Dir verlangen, das noch länger mitzumachen, wisperst Du:

 Impressionen